Viele Gründer unterschätzen, wie viel zwischen „Website ist fertig“ und „Website ist launch-bereit“ liegt. Ein fehlender Impressumspflicht-Eintrag, eine nicht funktionierende Kontaktformular-Weiterleitung oder fehlende SSL-Verschlüsselung können innerhalb von Stunden zu Abmahnungen, Datenverlust oder einem schlechten ersten Eindruck führen. Diese Checkliste geht Punkt für Punkt durch, was vor dem Go-Live sitzen muss.
Technische Grundlagen: Das Fundament muss stimmen
Bevor irgendjemand die URL öffnet, sollte die technische Basis vollständig geprüft sein. Der erste Schritt ist die SSL-Verschlüsselung. Jede Website muss heute über HTTPS erreichbar sein. Browser zeigen ohne SSL ein Warnsymbol an, Google wertet HTTPS als Ranking-Signal. Wer bei einem Hoster wie Strato, IONOS oder Hetzner hostet, kann ein kostenloses Let’s-Encrypt-Zertifikat in wenigen Minuten aktivieren.
Dazu kommt die Ladezeit. Seiten, die länger als drei Sekunden zum Laden brauchen, verlieren laut Google-Studien mehr als 50 Prozent der mobilen Besucher. Konkret prüfen lässt sich das mit Google PageSpeed Insights oder GTmetrix. Bilder sollten komprimiert vorliegen, idealerweise im WebP-Format. Ein Richtwert: Einzelne Bilddateien über 200 KB sind auf einer normalen Unternehmenswebsite in der Regel zu groß.
Dann die Mobiloptimierung. Über 60 Prozent aller Websitebesuche finden inzwischen über mobile Endgeräte statt. Ein Test im Chrome DevTools reicht nicht. Das Gerät wechseln oder zumindest drei verschiedene Viewport-Breiten prüfen: 375 px (iPhone SE), 768 px (Tablet), 1280 px (Desktop).
- HTTPS aktiv und korrekt konfiguriert (kein Mixed Content)
- Weiterleitungen von HTTP auf HTTPS eingerichtet
- Ladezeit unter drei Sekunden (mobil und desktop)
- Responsives Layout auf mindestens drei Viewport-Breiten getestet
- Favicon eingebunden
- 404-Fehlerseite vorhanden und gestaltet
Rechtliche Pflichtangaben: Kein Launch ohne Impressum
Dieser Abschnitt ist für Gründer besonders kritisch, weil Fehler hier direkt abmahnbar sind. Das Impressum ist gesetzlich vorgeschrieben und muss von jeder Seite der Website in maximal zwei Klicks erreichbar sein. Pflichtangaben sind Name, Anschrift, Kontaktmöglichkeit (E-Mail reicht nicht allein, eine Telefonnummer oder ein Fax ist erforderlich), bei Kapitalgesellschaften Handelsregisternummer und Vertretungsberechtigte.
Die Datenschutzerklärung ist seit der DSGVO-Einführung 2018 für nahezu jede Website verpflichtend, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden. Das beginnt schon bei Google Analytics, eingebetteten YouTube-Videos oder einem einfachen Kontaktformular. Generatoren wie der von Datenschutz.org oder Dr. Schwenke helfen beim Einstieg, sollten aber immer auf die konkret eingesetzten Tools abgestimmt werden.
Cookie-Consent-Banner sind nicht optional, sobald nicht technisch notwendige Cookies gesetzt werden. Wer auf Analytics, Tracking-Pixel oder Remarketing-Tools setzt, braucht eine saubere Consent-Lösung. Borlabs Cookie oder Cookiebot sind verbreitete Lösungen, die sich in WordPress integrieren lassen.
Content und Struktur: Was Besucher wirklich brauchen
Technisch saubere und rechtlich vollständige Seiten bringen nichts, wenn der Inhalt nicht funktioniert. Gründer neigen dazu, ihre Website zu früh oder zu spät zu launchen. Zu früh bedeutet: Platzhaltertexte sind noch online, Preise fehlen, die Über-uns-Seite zeigt lorem ipsum. Das wirkt unprofessionell und kostet Vertrauen.
Konkret sollte vor dem Launch geprüft werden, ob jede Seite einen klaren Call-to-Action hat. Wer Dienstleistungen anbietet, braucht auf jeder relevanten Seite eine direkte Aufforderung: Angebot anfragen, Termin buchen, Beratung starten. Ohne diese Handlungsaufforderung verlassen Besucher die Seite, ohne zu konvertieren.
Wer eine moderne Website für Ihr Unternehmen erstellt oder erstellen lässt, sollte außerdem sicherstellen, dass alle Texte auf Rechtschreibfehler geprüft, alle Bilder mit Alt-Texten versehen und keine internen Links ins Leere führen.
SEO-Grundlagen: Gefunden werden vom ersten Tag an
Eine neue Domain hat keine Autorität und kein Ranking-Momentum. Das ist normal. Aber wer grundlegende SEO-Fehler zum Launch mitbringt, verschenkt Monate. Die wichtigsten Punkte:
- Jede Seite hat einen eindeutigen Title-Tag (maximal 60 Zeichen)
- Jede Seite hat eine Meta-Description (140 bis 160 Zeichen)
- H1-Überschriften sind vorhanden und einmalig pro Seite
- Bilder haben beschreibende Alt-Texte
- Eine XML-Sitemap ist erstellt und bei Google Search Console eingereicht
- Die robots.txt-Datei erlaubt das Crawlen der relevanten Seiten
- Canonical-Tags sind korrekt gesetzt, um Duplicate Content zu vermeiden
Google Search Console sollte vor dem Launch eingerichtet und die Domain verifiziert sein. So sieht man innerhalb weniger Tage, welche Seiten indexiert werden und ob es Crawling-Fehler gibt.
Tracking und Analyse: Daten von Anfang an sammeln
Wer keine Daten sammelt, kann nichts optimieren. Google Analytics 4 oder eine datenschutzkonforme Alternative wie Matomo oder Plausible sollte zum Launch aktiv sein. Wichtig: Das Tracking darf erst nach Zustimmung des Nutzers aktiv werden, sofern kein cookieloser Ansatz gewählt wird.
Zusätzlich lohnt es sich, Ziele in Analytics zu definieren. Was soll die Website leisten? Formular-Absendungen, Klicks auf die Telefonnummer, Downloads eines Dokuments? Ohne Zieldefinition liefern Besucherzahlen allein keine handlungsrelevante Information.
Letzte Checks vor dem Go-Live
Kurz vor dem Launch empfiehlt sich ein strukturierter Abschlussdurchlauf. Am besten macht ihn jemand, der nicht an der Erstellung beteiligt war, weil Betriebsblindheit echte Fehler verdeckt. Folgende Punkte sollten dabei abgehakt werden:
| Bereich | Prüfpunkt |
|---|---|
| Technik | Alle Formulare senden Daten korrekt ab und liefern eine Bestätigungsmail |
| Recht | Impressum, Datenschutz und Cookie-Banner sind vollständig und verlinkt |
| Content | Keine Platzhaltertexte, keine Lorem-ipsum-Inhalte, keine leeren Seiten |
| SEO | Sitemap eingereicht, robots.txt geprüft, Search Console verifiziert |
| Tracking | Analytics aktiv, Ziele definiert, Consent korrekt eingebunden |
Ein Go-Live ist kein endgültiger Abschluss, sondern ein Startpunkt. Wer mit einer sauber vorbereiteten Website an den Start geht, spart sich in den ersten Wochen viel Nacharbeit und vermeidet Fehler, die Geld, Nerven oder beides kosten.








