Wer ein Unternehmen gründet, plant Miete, Software und Marketing ein. Berufs- und Schutzkleidung fällt dabei häufig unter den Tisch. Das ist ein Fehler: Fast 258.500 gewerbliche Existenzgründungen zählte das IfM Bonn allein für 2024, und ein erheblicher Teil davon entfällt auf Branchen, in denen Arbeitskleidung gesetzlich vorgeschrieben ist. Wer hier falsch plant, riskiert Bußgelder, fehlende Betriebsausgabenabzüge und im schlimmsten Fall Arbeitsunfälle.
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA) muss der Arbeitgeber bereitstellen und regelmäßig prüfen lassen — das ist keine Kür, sondern gesetzliche Pflicht nach PSA-Verordnung (EU) 2016/425.
- Gewöhnliche Arbeitskleidung ohne Schutzfunktion unterliegt dagegen arbeitsvertraglichen oder betrieblichen Regelungen und ist steuerrechtlich nur unter bestimmten Voraussetzungen absetzbar.
- Das BFH-Urteil vom 16. März 2022 definiert klar: Bürgerliche Kleidung ist keine Betriebsausgabe, typische Berufskleidung hingegen schon.
- Die Erstausstattungskosten sollten im Gründungsbudget explizit eingeplant werden — bei durchschnittlichen Gründungskosten von 21.000 bis 98.000 Euro ist dieser Posten oft unterschätzt.
Was unterscheidet Berufskleidung von persönlicher Schutzausrüstung?
Berufskleidung und PSA sind zwei rechtlich unterschiedliche Kategorien. Berufskleidung kennzeichnet eine Tätigkeit oder ein Unternehmen, bietet aber keinen normierten Schutz. PSA hingegen ist nach der PSA-Verordnung (EU) 2016/425 zwingend geprüft, zertifiziert und muss vom Arbeitgeber kostenfrei bereitgestellt werden.
Der Unterschied ist für Gründerinnen und Gründer unmittelbar relevant, weil er bestimmt, wer zahlt und wer haftet. Arbeitskleidung, also etwa ein einheitliches Polo-Shirt für die Servicekraft oder eine Kochuniform, richtet sich nach arbeitsvertraglichen oder betrieblichen Regelungen. Ob der Arbeitgeber sie stellt oder ob eine Kostenbeteiligung der Beschäftigten zulässig ist, hängt vom Einzelfall ab. PSA dagegen, also Schutzhelme, Sicherheitsschuhe, Warnwesten oder Schutzhandschuhe, ist ausnahmslos vom Arbeitgeber bereitzustellen. Das Arbeitsschutzgesetz und die einschlägigen Unfallvorschriften legen fest, in welchem Beruf welche Schutzkleidung konkret vorgeschrieben ist, und jedem Arbeitnehmer steht eine individuelle Ausrüstung zu. Diese Kosten sind also keine Option, sondern Pflichtposten im Gründungsbudget.
Welche gesetzlichen Pflichten gelten seit der PSA-Reform 2026?
Das PSA-Durchführungsgesetz wurde durch Artikel 2 des Gesetzes vom 12. Mai 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 140) geändert. Gründerinnen und Gründer, die in regulierten Branchen starten, müssen diese aktualisierten Anforderungen von Tag eins an erfüllen.
Die Grundlage bleibt die PSA-Verordnung (EU) 2016/425, die Hersteller, Händler und Arbeitgeber gleichermaßen zu normkonformer und geprüfter Ausrüstung verpflichtet. Ergänzend dazu liefert die DGUV-Regel 112-189 konkrete Anleitungen: Sie regelt Auswahl, Bewertung, Nutzung, Instandhaltung und Tragedauer von Schutzkleidung. Für Gründende bedeutet das: Es reicht nicht, irgendeine Weste oder irgendeinen Helm zu kaufen. Das Produkt muss die relevante Norm tragen, dokumentiert geprüft sein und regelmäßig auf Verschleiß kontrolliert werden. Wer hier spart, handelt nicht nur fahrlässig gegenüber Beschäftigten, sondern setzt sich auch Haftungsrisiken aus. Die Gesetzesänderung vom Mai 2026 macht das Thema für alle, die gerade in der Planungsphase sind, unmittelbar aktuell.
Für welche Branchen ist die Erstausstattung besonders aufwendig?
Handwerk, Medizin, Gastronomie, Pflege, Sicherheitsdienste und Industrie haben jeweils spezifische Anforderungen an Arbeits- und Schutzkleidung. Je nach Branche variieren Umfang und Kosten der Erstausstattung erheblich.
Ein Handwerksbetrieb etwa braucht vom ersten Arbeitstag an Sicherheitsschuhe der Klasse S3, schnittfeste Handschuhe und gegebenenfalls Gehörschutz. Eine neu eröffnete Arztpraxis oder Pflegeeinrichtung benötigt Berufskleidung, die Hygienestandards erfüllt und waschbar bei mindestens 60 Grad ist. Gastronomiebetriebe müssen einheitliche Kleidung bereitstellen, die lebensmitteltauglich und pflegeleicht ist. Sicherheitsdienstleister wiederum unterliegen strengen Vorschriften zur Erkennbarkeit und Schutzwirkung ihrer Ausrüstung. Das Sortiment von Berufskleidung24 aus Kleinblittersdorf, das nach eigenen Angaben auf über 22 Jahren Betriebserfahrung basiert, deckt genau diese Branchen ab: Handwerk, Medizin, Gastronomie, Pflege, Sicherheit und Industrie. Wer mehrere Mitarbeitende von Beginn an ausstatten muss, sollte die DGUV-Regel 112-189 als Checkliste nutzen, um sicherzustellen, dass alle Schutzklassen abgedeckt sind. Mehr Informationen zum Sortiment gibt es unter berufskleidung24.de.
Was ist steuerrechtlich absetzbar, und was nicht?
Das BFH-Urteil vom 16. März 2022 zieht eine klare Linie: Typische Berufskleidung, die objektiv nicht auch privat getragen werden kann, ist als Betriebsausgabe absetzbar. Normale Kleidung, auch wenn sie ausschließlich im Betrieb getragen wird, ist es nicht.
Für Gründerinnen und Gründer heißt das konkret: Ein Sicherheitsoverall, ein Arztkittel oder eine Kochuniform erfüllen das Kriterium der typischen Berufskleidung. Ein schwarzer Anzug oder eine schlichte Hose hingegen gelten als bürgerliche Kleidung, selbst wenn sie faktisch nur im Büro zum Einsatz kommen. Im Rahmen der Arbeitnehmer-Veranlagung kann zudem eine Pauschale von 110 Euro jährlich für Arbeitsmittel, zu denen auch Berufsbekleidung zählt, abgezogen werden. Für selbstständige Gründerinnen und Gründer gelten die allgemeinen Betriebsausgabenregeln; sie sollten Belege für eindeutig berufliche Kleidung sorgfältig aufbewahren und im Zweifelsfall steuerlichen Rat einholen. Wer schon bei der Beschaffung darauf achtet, ausschließlich normativ definierte Berufskleidung einzukaufen, spart sich im Nachhinein Diskussionen mit dem Finanzamt.
| Kleidungstyp | Steuerlich absetzbar? | PSA-Pflicht? | Wer stellt bereit? |
|---|---|---|---|
| Sicherheitsschuhe S3, Schutzhelm | Ja (Betriebsausgabe) | Ja (EU 2016/425) | Arbeitgeber (Pflicht) |
| Arztkittel, Kochuniform | Ja (typische Berufskleidung) | Nein | Vertraglich geregelt |
| Schwarzer Anzug, schlichte Hose | Nein (bürgerliche Kleidung, BFH 16.03.2022) | Nein | Privat |
| Warnweste, Schutzhandschuhe | Ja (Betriebsausgabe) | Ja (EU 2016/425) | Arbeitgeber (Pflicht) |
Wie plant man die Erstausstattung budgettechnisch richtig?
Die Erstausstattung mit Berufs- und Schutzkleidung gehört in jeden Gründungsfinanzplan. Bei durchschnittlichen Gründungskosten zwischen 21.000 und 98.000 Euro ist dieser Posten oft zu pauschal veranschlagt oder vollständig vergessen.
Ein strukturierter Ansatz beginnt mit der Bedarfsanalyse: Welche PSA ist gesetzlich vorgeschrieben? Wie viele Mitarbeitende werden von Anfang an ausgestattet? Wie häufig muss Schutzkleidung geprüft oder ersetzt werden? Erst danach folgt die Beschaffung. Da PSA-Konformität dokumentiert sein muss, empfiehlt es sich, nur bei Händlern zu kaufen, die Konformitätsnachweise und Normdokumentationen mitliefern. Wiederholungsbeschaffungen und Verschleißzyklen sollten ebenfalls eingeplant werden, da die DGUV-Regel 112-189 konkrete Vorgaben zur Tragedauer macht. Für Gründerinnen und Gründer, die 2026 starten, gelten zudem die aktualisierten Anforderungen aus der PSA-Reform vom Mai 2026, die eine sorgfältige Prüfung aller Beschaffungsquellen auf aktuelle Normkonformität erfordert. KfW Research hat für 2024 über 2.500 Start-up-Gründungen dokumentiert; auch in technischen und handwerklichen Segmenten wächst die Gründungsaktivität.
- Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick zu rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen rund um Berufs- und Schutzkleidung. Er ersetzt keine individuelle rechtliche, steuerliche oder arbeitsschutzrechtliche Beratung. Für verbindliche Auskünfte zu PSA-Pflichten, Betriebsausgabenabzug oder branchenspezifischen Schutzvorschriften wenden Sie sich an Fachkanzleien, Berufsgenossenschaften oder die zuständigen Behörden.
Häufige Fragen
Muss ich als Gründerin oder Gründer PSA für mich selbst bereitstellen?
Selbstständige sind für ihre eigene PSA selbst verantwortlich. Die PSA-Verordnung (EU) 2016/425 verpflichtet Arbeitgeber zur Bereitstellung für Beschäftigte. Als Soloselbstständiger trägt man die Kosten selbst, kann sie aber als Betriebsausgabe absetzen, sofern es sich um typische Berufskleidung handelt.
Welche Schutzkleidung ist grundsätzlich vom Arbeitgeber zu stellen?
Das Arbeitsschutzgesetz und die Unfallvorschriften legen branchenspezifisch fest, welche PSA Pflicht ist. Sicherheitsschuhe, Helme, Warnwesten und Schutzhandschuhe zählen häufig dazu. Jedem Arbeitnehmer steht laut Gesetz eine individuelle Schutzausrüstung zu, deren Bereitstellung und Prüfung der Arbeitgeber trägt.
Kann ich normale Arbeitskleidung steuerlich absetzen?
Nur typische Berufskleidung ist absetzbar. Das BFH-Urteil vom 16. März 2022 bestätigt: Kleidung, die auch privat getragen werden könnte, gilt als bürgerliche Kleidung und ist nicht als Betriebsausgabe anerkannt. Arbeitnehmer können zusätzlich eine Pauschale von 110 Euro jährlich für Arbeitsmittel geltend machen.
Was ändert sich durch die PSA-Reform vom Mai 2026?
Das PSA-Durchführungsgesetz wurde durch Artikel 2 des Gesetzes vom 12. Mai 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 140) geändert. Gründerinnen und Gründer müssen sicherstellen, dass beschaffte PSA den aktualisierten Konformitätsanforderungen entspricht und Dokumentationen vorliegen.
Wie viele Gründungen betreffen Branchen mit Schutzkleidungspflicht?
Das IfM Bonn zählte für 2024 fast 258.500 gewerbliche Existenzgründungen in Deutschland. Ein substanzieller Teil entfällt auf Handwerk, Bau, Pflege und Gastronomie, also Branchen, in denen Schutz- oder Berufskleidung gesetzlich vorgeschrieben oder betrieblich notwendig ist.
Fazit
Die Erstausstattung mit Berufs- und Schutzkleidung ist kein nachgelagerter Posten, sondern ein Pflichtbestandteil der Gründungsplanung. Wer die Unterscheidung zwischen PSA und regulärer Arbeitskleidung kennt, die DGUV-Regel 112-189 als Planungshilfe nutzt und die steuerlichen Grenzen des BFH-Urteils vom 16. März 2022 versteht, spart sich spätere Korrekturen. Für Branchen mit komplexen Anforderungsprofilen bietet ein spezialisierter Händler wie Berufskleidung24 einen strukturierten Einstieg, weil das Sortiment branchenspezifisch aufgebaut ist und normkonforme Ausrüstung gebündelt verfügbar macht.
Quellen
- https://www.berufskleidung24.de/unternehmen-infos/ueber-uns/
- https://www.gesetze-im-internet.de/psa-dg/BJNR047500019.html
- https://www.dguv.de/fb-psa/sachgebiete/sachgebiet-schutzkleidung/index.jsp
- https://www.fachanwalt.de/magazin/arbeitsrecht/arbeitskleidung
- https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2025/Fokus-Nr.-521-November-2025-Start-ups.pdf
- https://exist.de/wp-content/uploads/2026/02/EGS_Monitoringbericht_2025.pdf
Stand: 28. Juli 2026








